So bewerben Sie sich erfolgreich – mit Strategie und Klarheit zum passenden Modell (Teil 2 der Reihe „Arbeitszeitmodelle 50plus“)

Im ersten Teil dieser Reihe haben Sie vier Arbeitszeitmodelle kennengelernt, die sich für erfahrene Fach- und Führungskräfte 50plus besonders bewährt haben: Teilzeit, Projektarbeit, Brückenjobs und „Selbstständigkeit light“. In diesem zweiten Teil geht es nun um die entscheidenden Fragen: Wie gelingt es Ihnen, sich gezielt auf diese Modelle zu bewerben? Und wie können Sie Arbeitgeber von Ihrer Lösung überzeugen?

Denn nicht die Stundenanzahl entscheidet über den Erfolg einer Bewerbung, sondern die Wirkung, die Klarheit und die strategische Argumentation. Wer weiß, wie er das eigene Modell erklärt (es belegt und nachvollziehbar begründet), erhöht seine Chancen auf Zustimmung erheblich.

Ganz gleich, für welches Modell Sie sich entscheiden: Arbeitgeber suchen keine Arbeitskräfte mit weniger Stunden, sondern Arbeitgeber suchen verlässliche Ergebnisse.

Deshalb gilt:

  • Sprechen Sie nicht über Einschränkungen, sondern über Wirkung, Struktur und Verlässlichkeit.
  • Zeigen Sie, was Sie leisten, wie Sie arbeiten und wann Sie verfügbar sind. Das gilt sowohl im Gespräch mit Ihrem derzeitigen Arbeitgeber als auch für eine Bewerbung bei einem neuen Unternehmen.
  • Formulieren Sie Ihr gewünschtes Modell als gut durchdachten Vorschlag, der auch dem Unternehmen Vorteile bringt – zum Beispiel durch klare Prioritäten, planbare Abläufe oder konzentrierte Leistung.

Zahlen, Ergebnisse und Praxisbeispiele schaffen zusätzlich Vertrauen. Wenn Sie Erfolge sichtbar machen, etwa durch eine kleine Erfolgstabelle mit Kennzahlen, wirkt Ihre Bewerbung professionell und verbindlich.

Diese Grundprinzipien gelten unabhängig davon, für welches Arbeitszeitmodell Sie sich entscheiden. Gleichzeitig unterscheiden sich die vier Modelle – Teilzeit, Projektarbeit, Brückenjob und „Selbstständigkeit light“ – deutlich darin, wie Sie Ihre Wünsche formulieren, welche Argumente besonders überzeugend wirken und wo typische Missverständnisse entstehen können.

Damit Sie Ihre Chancen gezielt nutzen, lohnt sich ein genauer Blick auf jedes einzelne Modell:

  • Wie begründen Sie Ihren Wunsch nach veränderter Arbeitszeit so, dass er als Gewinn für beide Seiten verstanden wird?
  • Welche Beispiele zeigen Ihre Verlässlichkeit und Ihren Beitrag zu Ergebnissen?
  • Und an welchen Stellen sollten Sie wachsam sein, weil sich hier erfahrungsgemäß Stolperfallen verbergen?

Im nächsten Schritt erhalten Sie daher zu jedem der vier bewährten Arbeitszeitmodelle konkrete Empfehlungen für Ihre Argumentation – ergänzt um typische Stolperfallen und Hinweise, wie Sie diese vermeiden. So wird aus einem vagen Wunsch ein klar begründeter, gut verhandelbarer Vorschlag für Ihr persönliches Arbeitszeitmodell 50plus.

Teilzeit ist längst kein Rückzug aus der Verantwortung, sondern für viele Arbeitnehmer:innen 50plus die Voraussetzung, um dauerhaft leistungsfähig und gesund zu bleiben. Entscheidend ist, dass Sie Ihr Modell aktiv gestalten und Arbeitgebern zeigen, dass weniger Stunden keineswegs geringere Ergebnisse bedeuten.

Beschreiben Sie in Ihrer Bewerbung oder im Gespräch mit Ihrem derzeitigen Arbeitgeber, welche Aufgaben Sie weiterhin zuverlässig übernehmen und welche Ergebnisse Sie sichern. Wenn Sie auf eine 4-Tage-Woche oder 80%-Stelle abzielen, erläutern Sie, wie Sie Prioritäten setzen, Übergaben regeln und Kommunikation strukturieren.

Formulierungsbeispiel:

„Mit einem 80 %-Pensum sichere ich die Kernleistung im Reporting – mit festen Übergaben donnerstags und klar definierten Qualitätszielen.“

Damit signalisieren Sie Struktur, Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein – genau das, was Arbeitgeber überzeugt.

1. „Teilzeit = halbe Leistung“
Viele Arbeitgeber befürchten geringere Produktivität. Entkräften Sie das, indem Sie Ihre Ergebnisse betonen: Was bleibt gleich? Was verbessert sich durch Fokussierung und Konzentration? Formulieren Sie Output-Ziele statt Präsenzzeiten – das schafft Vertrauen.

2. Unklare Erreichbarkeit
Unsicherheit entsteht, wenn Arbeitszeiten nicht eindeutig geregelt sind. Kommunizieren Sie klar, wann Sie erreichbar sind und wie Übergaben erfolgen. Eine transparente Planung zeigt Zuverlässigkeit.

3. „Zu kompliziert für die Organisation“
Manche Vorgesetzte fürchten zusätzlichen Abstimmungsaufwand. Bereiten Sie daher einen Vorschlag vor, wie Aufgabenpakete geschnitten und Verantwortlichkeiten sauber verteilt werden können. So machen Sie aus einem vermeintlichen Hindernis eine strukturierte Lösung.

Projekt- und Interim-Tätigkeiten sind ideale Modelle für erfahrene Fachkräfte, die ihre Expertise gezielt und zeitlich befristet einsetzen möchten. Entscheidend ist hier, dass Sie sich nicht als Bewerber:in im klassischen Sinn, sondern als Projektpartner:in auf Zeit präsentieren.

Erstellen Sie ein kompaktes Projektprofil mit Ihren Schwerpunkten, Branchenkenntnissen, Ihrer Verfügbarkeit und Ihrem Tagessatzkorridor. Ergänzen Sie 2 bis 3 kurze Praxisbeispiele nach dem Prinzip Situation – Vorgehen – Ergebnis. Diese Form zeigt, dass Sie Ergebnisse liefern, nicht nur Aufgaben erfüllen.

Im Gespräch hilft ein 30-60-90-Tage-Plan, in dem Sie die ersten Schritte, Zwischenziele und erwarteten Ergebnisse beschreiben. Das signalisiert Professionalität und Orientierung.

1. Unklare Ziele oder Erwartungen
Fehlende Zieldefinitionen führen schnell zu Missverständnissen. Klären Sie gleich zu Beginn, welche Ergebnisse erwartet werden, wer Entscheidungen trifft und wann Erfolg gemessen wird. Lassen Sie sich diese Punkte schriftlich bestätigen.

2. Scheinselbstständigkeit und Vertragsfragen
Gerade bei längeren Projekten besteht ein rechtliches Risiko. Achten Sie auf einen klar formulierten Vertrag mit definiertem Leistungsumfang und eigener Entscheidungsfreiheit. Im Zweifel lohnt es sich, juristischen Rat einzuholen.

3. Zahlungsprobleme und Nachverhandlungen
Verzögerte Zahlungen kommen häufiger vor, als man denkt. Vereinbaren Sie daher Zwischenabrechnungen oder Teilabnahmen. Das schützt Sie finanziell und unterstreicht Ihre Professionalität.

4. Offene Anschlussplanung
Denken Sie frühzeitig an Ihre nächste Projektphase. Wenn Sie am Ende eines Projekts klare Ergebnisse, Feedback und Empfehlungen einholen, stärken Sie Ihr Netzwerk und sichern Folgeaufträge.

Ein Brückenjob kann eine sehr sinnvolle Zwischenstation sein – etwa nach einer Phase der Belastung, während einer Weiterbildung oder als Übergang in den Ruhestand. Ziel ist nicht Karriere, sondern Stabilität, Struktur und eine sinnvolle Tätigkeit.

Wichtig ist, dass Sie diesen Schritt selbstbewusst und transparent kommunizieren. Erklären Sie, dass Sie eine verlässliche, gut planbare Aufgabe suchen, um Ihre Erfahrung einzubringen und gleichzeitig Ihre Lebenssituation passend zu gestalten.

Formulierungsbeispiel:

„Ich suche bewusst eine Teilzeitstelle mit 20 Stunden pro Woche am Vormittag, um meine Erfahrung verlässlich einzubringen und parallel eine Weiterbildung abzuschließen.“

Das signalisiert Motivation, Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative.

1. „Überqualifiziert“
Dieses Argument taucht häufig auf. Drehen Sie es positiv: Betonen Sie, dass Sie durch Routine und Erfahrung wenig Einarbeitung benötigen und sofort einsatzfähig sind. Das schafft Sicherheit für Arbeitgeber.

2. Unklare Belastbarkeit oder Verfügbarkeit
Seien Sie ehrlich, was Sie leisten können – und was nicht. Beschreiben Sie genau, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten Sie verfügbar sind. Das wirkt verantwortungsvoll und beugt Missverständnissen vor.

3. Missverständnisse zum Übergangscharakter
Wenn Sie offen sagen, dass es sich um eine Übergangsphase handelt, gleichzeitig aber Engagement zeigen, wird das positiv aufgenommen. Signalisieren Sie: „Ich arbeite mit voller Zuverlässigkeit – auch wenn der Einsatz zeitlich begrenzt ist.“

4. Finanzielle Unklarheit
Sprechen Sie Vergütung, Stundenumfang und Laufzeit frühzeitig an. Transparenz sorgt für Fairness auf beiden Seiten und verhindert spätere Irritationen.

Die „Selbstständigkeit light“ ist ideal, wenn Sie Ihre Erfahrung flexibel einsetzen und schrittweise selbstständig tätig werden möchten. Sie können einzelne Module oder Beratungspakete anbieten – etwa Micro-Consulting, Coaching oder Fach-Workshops.

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist ein konkretes Angebot mit erkennbarem Nutzen. Beschreiben Sie klar, für wen Sie arbeiten, welches Problem Sie lösen, welches Ergebnis Sie liefern und wie lange das dauert.

Formulierungsbeispiel:

„Micro-Consulting ‚Prozess-Audit‘ – zwei Wochen inklusive Analyse, Interviews und Audit-Bericht mit sieben Sofortmaßnahmen.“

Solche Angebote wirken professionell und erleichtern potenziellen Kund:innen die Entscheidung.

1. Zu niedrige Preise
Viele starten zu günstig. Denken Sie in Ergebnissen statt Stunden: Der Kunde kauft eine Lösung, keine Zeit. Formulieren Sie den konkreten Mehrwert – das rechtfertigt den Preis.

2. Überforderung durch Parallelbelastung
Wenn Sie neben einer Anstellung selbstständig arbeiten, achten Sie auf klare Grenzen und feste Zeitfenster. Wer offen kommuniziert, wann er verfügbar ist, wirkt zuverlässig und seriös.

3. Rechtliche Unsicherheiten
Klären Sie Nebentätigkeit, Versicherung, Steuern und Datenschutz im Vorfeld. Eine stabile Grundlage verhindert spätere Konflikte und vermittelt Professionalität.

4. Fehlende Sichtbarkeit
Auch bei kleinen Angeboten lohnt sich ein professioneller Online-Auftritt. Ein gepflegtes LinkedIn-Profil mit klarer Positionierung und echten Kundenstimmen wirkt stärker als jede Anzeige. (Ich unterstütze Sie beim Aufbau Ihres LinkedIn-Profils. Buchen Sie gerne ein kostenfreies Erstgespräch)

Wie Sie über Ihr Arbeitszeitmodell sprechen, beeinflusst maßgeblich, wie Ihr Gegenüber es wahrnimmt. Verwenden Sie eine Sprache, die auf Lösungen, Nutzen und Zusammenarbeit ausgerichtet ist.

Statt … sagen Sie besser:
„Ich möchte weniger Stunden“„Ich konzentriere mich auf die Aufgaben, die die größten Ergebnisse bringen.“
„Ich bin überqualifiziert“„Ich bringe Routine und Effizienz mit – dadurch bin ich sofort produktiv.“
„Das Projekt ist befristet“„Ich begleite Sie gezielt bis zur Übergabe – klar strukturiert und messbar.“

Solche Formulierungen zeigen Selbstvertrauen und machen Ihr Modell zur professionellen Option, nicht zur Ausnahme.

Ob Teilzeit, Projektarbeit, Brückenjob oder „Selbstständigkeit light“ – entscheidend ist, wie klar und überzeugend Sie Ihr Modell darstellen. Wenn Sie erläutern, wie Sie arbeiten, welche Ergebnisse Sie liefern und welchen Mehrwert das Unternehmen hat, entsteht Vertrauen und Ihre Chancen auf eine Zusage steigen, egal, ob Sie Ihr Arbeitszeitmodell im eigenen Unternehmen ändern oder in einem neuen Unternehmen Fuß fassen wollen.

Arbeitgeber reagieren positiv, wenn sie spüren: Diese Person bringt Erfahrung, Struktur und Verantwortung mit – ganz gleich, in welchem Umfang sie arbeitet.

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