Der Lebenslauf ist eines der wichtigsten Dokumente für Ihre Bewerbung ab 50. Gewusst wie, können Sie hiermit jede Menge Punkte sammeln!
Doch es gibt auch ein paar Stolperfallen für Bewerber ab 50, die Sie unbedingt kennen sollten. Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, um einen überzeugenden Lebenslauf zu schreiben.
Der Lebenslauf ab 50 – heute wichtiger denn je?
Vieles mag sich in den letzten 30 Jahren verändert haben, doch der Lebenslauf ist nach wie vor ein sehr wichtiger Bestandteil Ihrer Bewerbung. Man könnte sogar sagen, dass er noch wichtiger ist als früher. Manche Online-Portale wollen beispielsweise nur noch einen Lebenslauf, ohne Anschreiben. Das ist gerade für die Bewerber:innen ab 50 nicht immer von Vorteil.
Der Lebenslauf kann ein Stolperstein für Jobsuchende mit 50plus sein.
Wer seinen Lebenslauf nicht geschickt argumentativ aufbaut, kommt nicht unbedingt zum Zug. Gerade für die Jobsuche mit 50plus sind die Bewerbungsunterlagen, die Formulierungen und Argumente im Lebenslauf und im Anschreiben entscheidend: denn sie leisten die Überzeugungsarbeit! Wer „nur mit einem Lebenslauf“ antritt, sollte zudem besondere Sorgfalt in die Ausarbeitung der Kompetenzen legen. Nach wie vor haben das Format und der lückenlose Nachweis ein ganz besonderes Gewicht.
Aber keine Sorge: In diesem Blogartikel werde ich Ihnen alles Schritt für Schritt erklären.
Was hat sich geändert?
Nach wie vor ist der Lebenslauf ein sehr wichtiges Element der Bewerbungsunterlagen. Mehr noch: Er ist DAS Aushängeschild des Bewerbers, der Bewerberin, denn mit Sicherheit wird die Zusammenstellung des bisherigen Weges aufmerksam gelesen werden.
Zwei Veränderungen sind unbedingt zu beachten:
- Der Lebenslauf wird tabellarisch aufgebaut
- Die Reihenfolge der beruflichen Stationen hat sich geändert
Heißt: Es gibt links eine Spalte mit Zeitangaben und rechts eine knappe Beschreibung der Tätigkeit. Bevorzugt werden dabei Stichworte und eine Aufteilung in Unterpunkte.
Kurze prägnante Angaben
❌ Die Zeit, als wir mit dem Lebenslauf bei den Eltern angefangen und in langen Absätzen den eigenen Werdegang beschrieben haben, ist vorbei.
✔️ Stellen Sie Ihre Angaben kurz und prägnant in einer Tabelle dar.
Berufliche Stationen stehen oben
✔️ Im Gegensatz zu früher kommen die beruflichen Stationen gleich nach den persönlichen Daten. Dabei wird die letzte Arbeitsstelle als erstes, also oben in Ihrer tabellarischen Aufstellung, angeführt. Das hat sich gegenüber früher komplett umgedreht! In die linke Spalte gehören die konkreten Angaben „von Monat/Jahr bis zu Monat/Jahr“. Auf der rechten Seite tragen Sie zuerst die Tätigkeit ein und markieren diese fett.
Die Jobbezeichnung kommt zuerst
❌ Früher wurde zuerst der Arbeitgeber genannt.
✔️ Heute kommt erst die Jobbezeichnung, dann der Arbeitgeber. Es folgt eine kurze stichwortartige Beschreibung dessen, was Sie während der Betriebszugehörigkeit in diesem Unternehmen geleistet haben.
Was ist nach wie vor gültig?
Der Lebenslauf ist zeitlich lückenlos!
Aufgebaut wird der Lebenslauf chronologisch. Jede Zeitspanne wird klar benannt, es wird kurz beschrieben, was in dieser Zeit gemacht worden ist. Die Zeitreihe geht von heute rückwärts in die Vergangenheit bis hin zur Schulzeit.
Nicht alle Stationen müssen gleichermaßen ausführlich beschrieben werden.
Unterscheiden Sie bitte: Welche Informationen sind für die neue Stelle wirklich von Interesse, was ist eher Beiwerk? So lässt sich manches zusammenfassen, anderes nur kurz erwähnen. Das, worauf es für die neue Stelle ankommt, wird mit einer Beschreibung in Stichworten herausgestellt.
Der Lebenslauf ist auf einem aktuellen Stand.
Früher wie heute gilt: Ihre Bewerbung sollte auf dem aktuellsten Stand sein. Das gilt nicht nur für Ihre beruflichen Stationen, sondern auch für Ihr Bewerbungsfoto. Mein Tipp: Investieren Sie in ein professionelles Bewerbungsfoto. Sie wissen ja: Der erste Eindruck zählt!
So schreiben Sie Ihren Lebenslauf richtig
Nachfolgend sehen Sie ein Muster. Es ist ein Auszug aus einem tabellarischen Lebenslauf, also nicht vollständig. Wichtig ist der Aufbau.
Zuerst entwickeln Sie Ihren Lebenslauf inhaltlich komplett in einem Wort-Dokument. Wenn der Inhalt endgültig steht und alle Tippfehler bereinigt sind, dann können Sie ihn gestalten, also „aufhübschen“. Das können Sie beispielsweise mit den Vorlagen, die Microsoft Word unter „Vorlagen“ und „Lebenslauf“ bietet. Oder Sie nutzen beispielsweise das Grafikprogramm „Canva“. Es wird direkt im Browser genutzt (keine Installation auf Ihrem Rechner) und ist in der Einstiegsversion – die für Ihre Belange völlig ausreicht – kostenlos.
Beispiel: Auszug aus einem tabellarischen Lebenslauf
Persönliche Daten | Vorname und Name |
Geburtsdatum, -ort, -land | |
Staatsangehörigkeit | |
Berufserfahrung | |
08/2022 – bis heute | Berufliche Neuorientierung |
05/2004 – 07/2022 | Job (Tätigkeitsbezeichnung) Firma, Ort Tätigkeit in Stichworten mit Unterpunkten … … |
09/1995 – 04/2004 | Job (Tätigkeitsbezeichnung) Firma, Ort Tätigkeit in Stichworten mit Unterpunkten … … |
Schul- und Berufsbildung | |
09/1991 – 07/1993 | Schule, Ort Abschluss |
09/1980 – 07/1991 | Schule, Ort Abschluss |
Zusätzliche Qualifikationen | |
Sprachen | Englisch: verhandlungssicher Italienisch: gut in Wort und Schrift |
EDV | Word: sehr gut Powerpoint: gut Microsoft Teams: in Zusammenarbeit mit anderen |
Lücken im Lebenslauf: Wie Sie damit umgehen sollten
Erfahrungsgemäß ergeben sich beim Erstellen des Lebenslaufs folgende Fragen:
- Wie beschreibe ich meine jetzige Situation?
- Wie gehe ich mit Lücken im Lebenslauf um?
- Was mache ich mit Zeiten einer langen Arbeitslosigkeit?
Wenn Sie aktuell arbeitslos sind, dies aber ungern in die Bewerbung schreiben wollen, können Sie auch folgende Formulierungen verwenden: „Auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung“ oder „Ich bin in der beruflichen Neuorientierung“ oder „Ich bin arbeitssuchend“.
Wichtig ist, dass Sie Ihre (ungewollte) Auszeit produktiv nutzen! Personaler sind nicht weltfremd. So manches Mal arbeitslos zu sein ist in Zeiten einer Vielzahl von befristeten Arbeitsverträgen keine Schande. Punkten wird der Bewerber, die Bewerberin, die Auszeiten für eine Weiterentwicklung nutzt. Hilfreich ist dabei immer ein schriftlicher Nachweis.
✔️ Es kommt darauf an, was Sie mit dieser Zeit machen.
Gehen Sie einem Hobby, beispielsweise der Acrylmalerei, intensiver nach? Oder kümmern Sie sich mehr um Ihre Angehörigen, vielleicht Mutter, Vater oder Enkel? Lernen Sie etwas, das Sie schon immer lernen wollten? Eine Sprache, ein Musikinstrument? Oder nutzen Sie die Zeit für Ihre (berufliche) Weiterbildung? Beispielsweise mit kostenlosen online Bewerbungstrainings oder ähnlichem?
Warum ist diese Information, diese Art der Beschreibung, entscheidend? Sie zeigen damit Ihre Einstellung und Ihre Haltung. Sie haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt, sondern die gewonnene Zeit für etwas Neues, anderes oder die Nähe zu den Angehörigen genutzt. Das wiederum lässt den Schluss zu, wie Sie sich verhalten werden, wenn es im Unternehmen zu einer herausfordernden Situation kommt.
Diese Unterlagen ergänzen Ihre Bewerbung mit 50plus
Neben dem Lebenslauf gibt es 3 sehr wichtige Unterlagen. Legen Sie hier besonderen Wert auf Aktualität und Vollständigkeit.
Arbeitszeugnisse
Sie sind, neben dem Abschluss des Studiums, fast noch wichtiger als andere Zertifikate und Nachweise. Warum? Die Arbeitszeugnisse geben Auskunft, wie andere, die mit Ihnen gearbeitet haben, sowohl Ihre Arbeitsleistung als auch Ihre Persönlichkeit einschätzen.
Sie haben sicher schon mal von der Sprache der Arbeitszeugnisse gehört. Dank des Internets ist das heute kein Geheimnis mehr. Sie können nachlesen, wie gut Ihr Arbeitszeugnis wirklich ist. Notfalls, und das kommt öfter vor, als man zuerst glaubt, bitten Sie um ein überarbeitetes, neu geschriebenes Arbeitszeugnis. Gehen Sie nie von einem Arbeitgeber ohne Arbeitszeugnis! Und nutzen Sie nicht irgendwelche Zwischenzeugnisse, die Sie zum Beispiel vor 5 Jahren beim Wechsel des Teamleiters bekommen haben.
✔️ Aktuell heißt auch hier: In letzter Zeit ausgestellt.
Auch das gehört zu Ihrer Sorgfaltspflicht, entsprechende Nachweise einzuholen.
Zertifikate, Teilnahme-Bestätigungen und Schulabschlüsse:
Dies sind in der Regel Nachweise für eine (Weiter-)Bildungsmaßnahme. Das kann das Lernen einer Sprache sein, ein Führungskräfte-Training oder die Weiterbildung zum Systemischen Coach. Alles ist für Sie wichtig. Sie haben Zeit und Energie hineingesteckt.
Doch Stopp! Wie lange liegt dies schon zurück? Wie aktuell ist Ihr Wissen heute in diesem Bereich?
Und die wichtigste Frage: Wie relevant ist es für die ausgeschriebene Stelle oder den Job, den Sie bekommen möchten?
❌ Senden Sie bitte nicht alle Teilnahme-Bestätigungen von Zwei-Tages-Seminaren der letzten 20 Jahre.
✔️ Wählen Sie mit Bedacht, welcher Nachweis für die Stelle, auf die Sie sich bewerben, wirklich sinnvoll ist und Ihre Bewerbung unterstützt.
Noch ein Tipp für die Schulzeugnisse: Je älter wir werden, desto länger liegt die Schulzeit zurück. Handeln Sie auch hier nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze!“ Nehmen Sie den höchsten Bildungsabschluss, und fassen Sie alles weiter Wesentliche zusammen.
Arbeitsproben und Projektlisten
Ein anderes Thema sind Arbeitsproben oder Projektlisten. Sie sind eine weitere wertvolle Gelegenheit, um Ihre langjährige Erfahrung und Ihre vielfachen Kompetenzen zum Strahlen zu bringen.
✔️ Arbeitsproben sind Beispiele oder Muster bisheriger Leistungen. Das können Texte, Bilder, Grafiken, Entwürfe oder Prototypen sein. Vor allem in kreativen Berufen werden sie oft zur Bewerbung verlangt und können die Bewerbungschancen deutlich steigern.
Ich habe mit Projektlisten für die Bewerbungsphase meiner Kunden sehr gute Erfahrungen gemacht. Es ist etwas mühevoll, Zeiten, Ziele und Erfolge verschiedener Projekte zusammenzutragen, doch gleichzeitig können Sie eine einzigartige Argumentationskette aufbauen. Sie überzeugen mit konkreten Beispielen, unterlegt mit ZDF – Zahlen, Daten, Fakten. 😊
Zwischen-Fazit: Machen Sie Eindruck!
Als „Best Ager“ haben Sie jede Menge zu bieten. Zeigen Sie mit Zeugnissen und Zertifikaten, wie breit Ihre Erfahrungen sind! Viele Unternehmen suchen qualifizierte Mitarbeiter. Die Stellenausschreibungen zeigen es: Neben einer guten Laufbahn sind fachliche Kompetenzen, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein sehr gefragt.
7 Fehler im Lebenslauf, die Sie alt aussehen lassen
Auch Bewerbungsunterlagen sind gewissen Modeerscheinungen unterworfen. Es gibt 7 Dinge, die heute keinesfalls Teil Ihres Lebenslaufes sein sollten!
Diese Informationen haben im Lebenslauf heutzutage nichts verloren:
Eltern | Die Namen Ihrer Eltern oder weitere Angaben wie deren Beruf interessieren heutzutage niemanden mehr. Das können Sie ersatzlos streichen. |
Standardfloskeln | Standardfloskeln à la „Hiermit bewerbe ich mich auf“ oder „Ich habe Ihre Stellenanzeige gefunden und bin sehr interessiert“ nerven jeden Personalentscheider. Floskeln haben keine Aussagekraft und nehmen nur unnötig Platz weg. Schreiben Sie lieber individuelle und konkret fassbare Aussagen nach dem Motto „Von Ihrem Stellenangebot fühle ich mich angesprochen, weil …“ |
Religion | Die Religion gehört zu jenen Dingen, die für Personaler nicht relevant sein dürfen. Lediglich bei kirchlichen Arbeitgebern hat diese Frage eine Berechtigung. |
Familie | Sie müssen Ihre familiäre Situation nicht angeben. Trotzdem empfehle ich dies. Bei diesem Stichwort lassen sich besonders gut Ihre Vorzüge einbauen: Beispielsweise sind die Kinder bereits aus dem Haus. Sie können Ihre Arbeitszeit flexibel oder abrufbereit gestalten usw. |
Mädchenname | Bei der Hochzeit nehmen inzwischen sowohl Frauen wie Männer den Namen des Partners oder der Partnerin an. Daher ist der Mädchenname obsolet. Sie brauchen ihn nicht zu erwähnen. Sollte der Personalentscheider Sie jedoch noch unter einem anderen Namen kennen, vielleicht aus früheren Zeiten, dann ist es hilfreich, diesen Namen zu erwähnen. |
Schullaufbahn | Der Name Ihrer Grundschule oder der Lauf Ihrer schulischen Entwicklung interessiert niemanden. Geben Sie einen kurzen Überblick über Ihre schulische Entwicklung, und stellen Sie den letzten und höchsten Abschluss heraus. |
Referenzen | In Zeiten des Internets verändert sich die Bedeutung von Referenzen. Früher war eine Referenz das lobende Wort eines Vorgesetzten aus einer früheren Tätigkeit. Heute informieren sich Entscheider eher über Social Media (z.B. LinkedIn oder XING). Eine klassische Referenz zu nennen ist nur noch in Ausnahmefällen sinnvoll. Viel wichtiger sind Ihr Erscheinungsbild im Internet, die Aussagen in den Arbeitszeugnissen oder das Bild, das Ihre Zertifikate beim Betrachter, der Betrachterin erzeugen. |
Fazit: Zeigen Sie sich so, wie Sie sind: selbstbewusst, erfahren und kompetent!
Achten Sie darauf, wie Ihre Unterlagen aufgebaut sind – und optimieren Sie vor allem die Aussagen, die Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen ins entsprechende Licht rücken. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer erfolgreichen Bewerbung!
Wie kommen die Bewerbungsunterlagen an den neuen Arbeitgeber? Lesen Sie hier weiter in meinem Blogartikel „Bewerbung per E-Mail“.
Hoppala, das ist aber wirklich kompetent, weise, zukunftsorientiert und hilfreich, was ich hier gerade gehört/gesehen und erfahren habe.
Herzlichen Dank schon einmal dafür!